• Wieder in Deutschland / Urlaub und anderes – Juli/August 2022

    Eigentlich ist der Urlaub ja schon vorbei und nicht der ganze Sommer war Urlaub 😉 In den zwei Monaten, wie wir in Deutschland und der Schweiz verbracht haben, gab es verschiedenes zu erledigen. Einiges an Vorbereitungen für die Übersiedelung nach Nordafrika, einiges an Papierkram neu zu schreiben, Verträge zu machen oder zu kündigen, Impfungen zu verdauen, ein weiteres Treffen mit „Opticunion“, für die wir ja in Rabat auch tätig sein werden und anderes mehr. Etwas Urlaub in der Schweiz und in Bayern war auch dabei, ebenso, wie ein bisschen Zeit mit unseren Kindern und einen „unrunden“ Geburtstag. 85 Jahre sind schon ein Grund zum feiern. Da kam die ganz Familie zusammen und das war sehr schön. Wir haben das Wiedersehen mit unseren Kindern, unseren Geschwistern, den Nichten, Neffen, Großnichten und Großneffen sehr genossen. Es ist immer schön zu sehen, wenn die nächsten Generationen Staffelstäbe übernehmen. Das ist alles schon wieder Vergangenheit, auch wenn die Erinnerungen und Fotos bleiben und das Herz erwärmen, so fliegen wir doch schon in ein paar Tagen zurück in ein Land, in dem die Wärme immer noch von der Sommersonne vom Himmel brennt…

    Nun sind aber genug Worte gemacht. Jetzt lasse ich Bilder sprechen:

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  • …und schon wieder weg – Juli 2022

    Von Anfang Juli bis knapp Mitte September sind wir nochmals in Süddeutschland. Da wir nach unseren Arbeitsjahren in Deutschland nochmals länger im Ausland arbeiten wollen, muss in unserem 30-jährigen Arbeitsvertrag etwas geändert werden.

    Bevor wir abreisten hatten wir aber noch unser erstes „Sturmerlebnis“
    Eines Abends zog es so richtig düster über unser Haus hinweg. Gewitterstimmung. Der Wind wurde mehr, der Sand in der Luft auch. Beim Schließen der Fenster bemerkten wir eine „komische Lichtstimmung“ über den Häusern und hörten den ersten Donner. Neugierig, wie wir sind, stiegen wir auf unser Dach und schauten uns in alle Richtungen um. Nicht ohne die Augen voller Sand zu bekommen. In der einen Richtung war der Himmel grau-schwarz, in der anderen Richtung sahen wir Sandschwaden dahinziehen und sich vor die Sonne schieben. Wir machten schnell ein paar Fotos und stiegen vom Dach runter, denn es fielen auch ein paar erste Regentropfen. Viel Sand wurde von heftigen Winden durch die Straßen und über die Häuser geblasen, und wo die Fenster offen waren, auch in die Wohnungen hinein. Leider blieb es bei viel mehr Sand als Regen. Es gab nur soviel kostbares Nass vom Himmel, dass der Boden kaum richtig benetzt wurde und der Wind trocknete es auch gleich wieder weg.
    Als sich die Lage etwas beruhigt hatte, stieg ich nochmals aufs Dach. Es nahm mich doch schrecklich wunder, wie der Himmel und der Sonnenuntergang sich nun zeigten. Und ich wurde belohnt. Sonne und Sand sind echt tolle Künstler die wundervolle Bilder an den Himmel zaubern:

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    Frühstückszeit am Sonntag geht bis….?

    Es war schon nach 12 Uhr und wir wollten in unserem Lieblingslokal an der Ecke mit einem kleinen Mittagessen stärken, bevor wir zu unserem Sonntagsspaziergang in die Stadt aufbrechen wollten. Unsere Bestellung zum Mittagessen wurde auch nett entgegen genommen, aber ein paar Minuten später kam der Kellner zurück und meinte: „Es ist noch Frühstückszeit. Mittagessen gibt es erst später.“ Mit großen Augen sahen wir uns und ihn an und fragten, bis wann denn Frühstückszeit sei? „Sonntags, so etwa bis kurz vor Zwei. Dann wechselt die Küchencrew…“ Einfach aufstehen und gehen, das ließ unser Gewissen nicht zu und so bestellten wir halt einmal marokkanisches und einmal Berber-Frühstück. Es war sehr lecker und den Salat, den machten wir uns dann zum Abendessen zuhause 😉

  • 1 + 5 Tage Rabat

    Von Casablanca aus sind wir für einen Tag nach Rabat gefahren. So quasi der Vollständigkeit halber auch die Hauptstadt kurz besuchen, dachten wir. Wirklich viel Gewicht maßen wir diesem Tagesausflug nicht zu. Denn für uns war schon fast zu 100% klar, dass wir in Fes bleiben werden. Vorausgesetzt, Gott schickt kein Seelenbeben.

    Als wir dann in Rabat aus dem Bahnhof auf die Hauptstraße traten, wurden wir so richtig „überrumpelt“. Es zog ein Beben durch unsere Seele und unser Herz. Irgendwie spürten wir, „das ist unsere Stadt“. Und je mehr wir in der City herum spazierten, uns die alte Festung, die riesigen Friedhöfe der Stadtmauer entlang, den Strand und einfach die Altstadt ansahen, desto fester wurde das Gefühl. Auch die ruhige Atmosphäre, die wir spürten, tat uns gut. Irgendwie hatten wir das Gefühl uns hier freier bewegen zu können, als in Fes. Ob das vielleicht nur daran lag, weil Freitag war und an Freitagen das ganze Leben hier ruhiger verläuft?

    Das alles brachte uns nicht wenig durcheinander. Für beide Städte könnten wir eine Liste mit Für und Wider aufstellen. Wir redeten und beteten und beschlossen noch einmal ein
    paar Tage nach Rabat zu reisen um uns auch die Außenbezirke der Stadt an zu schauen und noch mehr Fakten zu sammeln. Um in der Stadt spazieren zu gehen und an Ort und Stelle zu beten…. Wir wollen in der Stadt leben, die Gott uns zeigt und offen sein für seine Weisungen…

    Rabat ist eine der vier Königsstädte. Der Name bedeutet „befestigter Ort“ und geht auf die Grenzfestung „Ribat“ der Zanta-Berber im 10. Jahrhundert zurück. Im 12. Jahrhundert wurde die Festung zur befestigen Stadt ausgebaut. Rabat ist die Hauptstadt Marokkos, liegt am Atlantik auf etwa 20 müM.

    In den fünf Tagen konnten wir Rabat „kreuz und quer“ durchstreifen und auch mal im kühlen Atlantik abtauchen um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Die Stadt und die Menschen gefallen uns gut. Rabat hat gegenüber Fes einige Vorteile, aber Fes hat auch ein paar Punkte, die Rabat übertreffen. Wir haben lange Listen mit Für+Wider und eine Achterbahn in unseren Herzen, aber noch keine Klarheit. Doch schien Rabat immer mehr zum Ort unserer Zukunft zu werden, auch wenn wir immer noch keine ganze Gewissheit haben. Vielleicht aber hängt unsere Gewissheit auch ein bisschen von den vielen „technischen“ Fragezeichen ab, die wir haben. Wir wissen noch nicht genau, wie, was funktionieren soll… wo dort wohnen, wie Wohnung finden…. Aber es sind ja noch ein paar Wochen bis dahin und noch viel Zeit zum Beten 😉

  • …und endlich da – Juni 2022

    Wir sind so dankbar über die gute Einführung, die Han uns gab und das nicht nur in Fes, sondern auch in Casablanca. Das hat uns das Einleben und Zurechtfinden sehr erleichtert.

    Auch dass wir so einfach in seiner Wohnung wohnen dürfen, ist für uns ein großer Segen. Wir hüten gerne seine Wohnung, die uns schon zum Zuhause geworden ist. Überhaupt fühlen wir uns hier in Fès schon „wie zuhause“ und haben eine gewisse Routine gefunden. Es schient uns, als hätten wir schon „Jahre lang“ hier gelebt.

    Nur, wenn wir uns mit den freundlichen, netten Menschen unterhalten wollen, wird uns wieder bewusst, dass wir noch nicht lange hier sind. Eigentlich ja erst vier Wochen! Wir sind dankbar für alle Freunde, die uns im Gebet tragen und so mit uns unterwegs sind! Ihr macht uns das Einleben und Leben hier leicht!!

    In den Lektionen unseres Französischkurses kommen wir uns manchmal vor, wie auf einer Achterbahn. Manchmal geht es ganz gut und man denkt, man hat Fortschritte gemacht und am nächsten Tag findet man sich im finstren Kellerloch wieder, weil über Nacht der Kopf wie leer gefegt wurde und man „nichts mehr auf die Reihe kriegt“. So gehen die Gefühle auf und ab und mitten drin kriegt man Bauchweh vom Lachen, wenn man realisiert, dass man gerade erklärt hat, „dass man mit den Vögeln hört“. Vögel und Ohren klingt im Französischen ganz ähnlich… Und immer wieder purzeln russische Wörter in die Sätze mit hinein. Die Sprachverwirrung von Babel lässt grüßen…

  • Was machst du wenn…
    …du der „Glücksbringer“ des Tages bist…?

    Eines Tages machten wir einen Ausflug nach Meknes. Wir wollten das kleine Städtchen das etwa 60 km von Fes entfernt ist besuchen und durch dessen Altstadt bummeln. Und da wir gerne früh unterwegs sind, waren wir schon kurz nach zehn am Zielort. Vom Bahnhof aus spazierten wir in Richtung Altstadt, die aber nicht ganz so leicht zu finden ist, wie in Fes. So suchten wir uns da, wo wir die Altstadt vermuteten, ein Café um uns erst mal etwas zu orientieren. Wir fanden eins mit Dachterrasse 😉 Nach dem Tee und Konsultation bei Mr. Google ging es von dort aus um ein paar Ecken in die Gässchen der Altstadt hinein. Wir bummelten den Verkaufsständen entlang und übten uns im „Nicht genau Hinschauen“ und „Nicht nach den Preisen fragen“. Denn spätestens wenn man Interesse an der Ware zeigt, kommt man kaum mehr ohne Einkauf davon. Die Händler sind von den Touristen abhängig. Ihre Einkäufe sind oft die einzige Einnahmequelle. Wir sind recht lange ohne Einkauf durch gekommen, doch gegen Ende unseres Bummels, sind wir an einen netten Berber gelangt, der uns in Deutsch in seinen kleinen Laden eingeladen hat: „Nur um zu schauen und zu Plaudern“, meinte er auf unser „wir wollen aber nichts kaufen“. Sich aufs „Nur schauen“ einzulassen ist meist schon fast „der Anfang vom Ende“. Mit langem Hin und Her, erzählen über die Familie, die schwierigen letzten Jahre und Plaudern über dies und das haben wir dann zwei kleine Souvenirs gekauft. (Kleine Geschenke kann man ja immer mal brauchen.) Dann zeigte er uns noch schöne Bettvorleger und meinte, wir würden sie für sehr günstig bekommen. Denn die Schwaben, (er hatte mittlerweile herausgefunden, dass wir aus dem Schwabenländle sind), seien sparsame Leute, deshalb gebe er sie uns für den günstigeren Preis. Er würde dann einfach bei den Amerikanern und Briten etwas mehr verlangen, meinte er. Zudem seien wir seine ersten Kunden heute, und wenn die ersten Kunden gut einkaufen, so bedeute das Händlerglück für den ganzen Tag. Diesen “Weg zu denken” kannten wir aus Russland schon. Mittlerweile hatten wir auch herausgefunden, dass er eine Familie mit drei Kindern hat und die letzten Jahre wegen den Corona Einschränkungen besonders hart für sie gewesen waren. Da wir eigentlich noch Bettvorleger gebrauchen konnten und er die schönen Teppiche so günstig hergab, steckten wir ihm mit den Worten „das ist für die Kinder“, nicht fürs Geschäft, ein bisschen etwas extra zu. Als Freunde und mit einem gemeinsamen Abschiedsfoto (das wir aus altbekannten Gründen hier nicht zeigen können) gingen wir , jeder zufrieden, auseinander.

    Eins haben wir dabei gelernt: Wir gehen nicht mehr schon am Vormittag auf die Märkte, sondern erst am frühen Nachmittag. Denn unser Herz erträgt es nicht, als erster Kunde da zu sein und nichts zu kaufen… Und wir kaufen nicht die Souvenirs nicht mehr „en gros“ (in großen Mengen auf einmal) zu Großmengen-Preis ein, sondern nehmen sie einzeln, um möglichst vielen Verkäufern eine Chance zu geben und Freundschaften zu pflegen 😉

  • …der erste Sonntag – Mai 2022

    An unserem ersten Sonntag in Fes hatten wir uns mit M zu einer Tour durch die Medina (Altstadt) verabredet. Wir trafen uns um halb elf vor dem Haupttor, dem „Blauen Tor“. Es wurde 1913 erbaut. Das frühere Haupttor befindet sich links davon, ist ein paar Jahrhunderte (9) älter und etwas kleiner. Die Stadtmauer hat 14 Tore und 17 km Länge.

    Die Medina besteht aus zwei Teilen: Der „Andalusische Teil“, der ca 813 von aus Spanien vertriebenen Andalusiern gebaut wurde und dem Tunesischen Teil, der etwa zur gleichen Zeit von Einwanderern aus Tunesien gebaut wurde. Die beiden Teile werden durch den kleinen Fluss Fes geteilt, aber mittlerweile nicht mehr von Mauern getrennt, sondern darüber Brücken verbunden.

    Durch die Medina gib es zwei „Hauptstraßen“, die „Small Slope“ und die „Big Slope“ und etwa 900 kleine Quersträßchen… Unter der Medina soll es über 60 Quellen geben, durch die es in der Medina angenehm kühl ist. Zudem gibt es über 80 öffentliche Brunnen, wo sich jeder Wasser holen kann! In der Medina gibt es drei wichtige Heiligtümer, über zwanzig theologische Schulen/Unis. Die Universität „al-Qarawiyin“ begann 859 als Koranschule und ist die älteste Bildungseinrichtung der Welt. Sie wurde von der Kaufmannstochter Fatima al-Fihri gegründet. Sie verwendete ihr ganzes Erbe darauf verwendete diese Einrichtung zu gründen um den Menschen Bildung zukommen zu lassen. Die Uni hat 14 Tore, eines davon ist speziell für die Studentinnen.
    Es gab soviel zu entdecken in der Medina, so viele Marktstände, von denen eigne uns an die Märkte in Russland erinnerten. So viele schöne Sachen, viel Handwerk, aber auch Leckereien. Kupferschmiede, Schreiner, Schneider, Bäcker, Fleischer mit Kamel- und Ziegenfleisch. Eine „Pharmacie“, ein Ort an dem Gewürze für die Küche, Kräuter zu Ölen und Salben für die Kosmetik und auch für die Medizin zubereitet wurden, war sehr beeindrucken. Und immer wieder so viele geschichtliche Informationen zu den Häusern und Plätzen der Median, auch über die sich zwischen den „Marktstaßen“ befindenden Wohnstraßen.

    Eine Weberei besuchten wir auch. Da werden so tolle, schöne Stoffe aus NUR natürlichen „Zutaten“ gewoben und verarbeitet. Aus zähen Kaktusblättern werden Fasern gewonnen, diese gefärbt und zusammen mit Wolle und Baumwolle verwoben. Die Baumwolle bildet die Kettfäden (längs) die Wolle und Kaktusfäden bilden die Schussfäden (Querfäden).

    Beeindruckend war auch die kurze Führung durch die seit dem 11. Jahrhundert bestehenden Gerberei/Färberei. Seit Jahrhunderten wird hier aus Tierhäuten Leder gemacht. Der Führer erklärte uns, dass keine Chemikalien verwendet würden. Als erstes kämen die Häute in eine Lösung mit Klakstein. Diese würde die Haare und die restlichen nicht brauchbaren Sachen von der Hat lösen. Danach kommen die Häute in ein Bad, das das Leder weich macht. Danach in die „Farbtöpfe“ mit nur natürlichen Färbemittel. Mohnblumen für rote Farbe, Henna für braun, Minze für grün, Indigo für blau (die anderen habe ich vergessen). Die Häute liegen 5-6 Wochen in den verschiedenen Lösungen und müssen täglich bewegt werden. Danach werden sie aufgehängt, damit sie weitere 4-6 Wochen trockenen können….

    Bei der Führung durch die Gerberei in der Altstadt, war es nicht nur das Ziel des Führers uns den Ablauf der Arbeit zu erklären, sondern, wenn möglich auch etwas zu verkaufen 😉 Es gab auch so viele schöne Dinge aus Leder. Das meiste davon aus Ziegen- und Kamelleder, was viel haltbarer und weicher sei, als Rinds- oder Schafsleder. Da ich (Fränzi) aber schon in der Weberei etwas mehr als mein Taschengeld ausgegeben hatte, entschuldigten wir unser „Nicht-kaufen“ damit, dass wir kein Geld mehr mit hätten. „Das macht gar gar nichts“, meinte der nette junge Mann, mit dem Bezahlen können man sich arrangieren. Sie nähmen auch Karten, oder sie brächten den Einkauf auch ins Hotel, dann könnten wir es über das Hotel abrechnen. Nach ein paar Augenblicken meinte er schmunzelnd, aber die beste Art des Bezahlens sei: „Die Frau kauft schöne Dinge ein und der Mann geht ein paar Wochen in der Gerberei arbeiten….“

    Immer wieder begegnet diesen besonderen Türen, vor allem in alten Häusern. Auf meine Frage nach dem „Warum“, bekam ich folgende Erklärung:
    Sie sehen aus wie Schlüssellöcher, weil hinter den Türen ist das Paradies. Wer den passenden Schlüssel hat, hat Zugang zum Paradies….
    Das ist umso verständlicher, wenn man bedenkt, dass zu diesem Haustyp, dem „Riad“, ein Innenhof mit einem Brunnen und meist auch einem kleinen Garten gehört. Zudem bedeutet „Riad“ Paradies…

    Das „blaue Tor“ von der Rückseite… …und da ist es grün 😉 Links davon „unser Medina-Lieblings-Kaffee“ mit hübscher Terrasse, die wir aber erst nächstes Mal ausprobieren werden…

  • …endlich – endlich die nächsten Schritte – Mai 2022
    (die ersten vier Tage)

    Endlich ist die Vorbereitungszeit abgeschlossen.
    Endlich ist alles sortiert, eingelagert oder zum Mitnehmen eingepackt.
    Endlich ist das Abschiednehmen überstanden.
    Endlich sind die ersten Schritte in Richtung „Neue Heimat“ und in unseren neuen Lebensabschnitt getan….
    Mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen wir diese erste Schritte und haben dabei mehr als nur ein Kribbeln im Bauch! Was wohl auf der anderen Seite des Mittelmeeres auf uns wartet? Über welche Achterbahn werden unsere Gefühle rollen…??
    Nun, wir kamen mitten in de Nacht an. Nachts ist alles im Dunkeln, ungreifbar und schwierig, vor allem, wenn man auch noch recht müde ist. Die erste Nacht verbrachten wir in einem kleinen, engen Hotelzimmer zwischen Flughafen und der Wohnung unseres Mitarbeiters. Als wir endlich im Bett lagen, sehnten wir uns schon etwas nach unserer alten Heimat und die Gedanken fuhren etwas Achterbahn. Am nächsten Morgen hat uns Han abgeholt und wir gingen erst mal schön frühstücken. Das Frühstück dauerte drei Stunden. Nicht, dass wir soviel gegessen hätten, nicht das Essen war wichtig, sondern die Gemeinschaft, das Reden, Zuhören, Einander kennen lernen und Ideensammeln für später. Dann ging es zur Bank, Geld wechseln und zur Maroc Telecom für neue SIM Karten. Auch das dauerte seine Zeit, zwei Stunden. Die anschließende Teezeit war fast so lange, wie das Frühstück. Kennen lernen und Planen braucht halt Zeit und in der Hitze hier (schon 30-32 Grad) geht alles ein bisschen langsamer. Auch muss die Teezeremonie gelernt werden. Um den Zucker im Teekännchen zu verrühren, darf man nicht etwa mit dem Löffel rein und umrühren. Das beleidigt das Teekännchen, wurden wir belehrt. Man gießt Tee ins Teeglas und wider zurück ins Kännchen. Diesen Vorgang wiederholt man drei bis vier Mal. Dann gießt man den Tee aus ziemlicher Höhe ins Glas, sodass viele Blasen entstehen. Denn die Blasen verbessern den Geschmack 😉

    Es war ein langer Tag an dessen Ende uns ein marokkanisches Abendessen in Han‘s Wohnung erwartete. Dabei und danach wurde weiter geredet…. So gegen elf Uhr plumpsten wir todmüde in unser Bett, das an einer von der Sonne aufgeheizten Außenwand der Wohnung stand. (30 Grad im Zimmer) Wir schliefen trotzdem gut bis uns im Morgengrauen der Gebetsruf vom Minaret weckte.

    Nach ein paar weiteren Stunden Schlaf ging es zum Frühstück ins Cafe an unserer Ecke. Da Han nach drei Tagen wieder abreisen musste, wollte er uns so viele seiner Lieblingsplätze und anderen nötigen Dinge zeigen und erklären, wie in der kurzen Zeit möglich waren, ohne dabei viel Zeit fürs Einkaufen und Kochen „verschwenden“ zu müssen. Nach dem leckeren gemütlichen Frühstück (mit weiteren Planungsgeschprächen) gingen wir drei Sprachschulen anschauen, denn wir wollten doch in den paar Wochen in Fes etwas an unserer Sprache feilen. Bevor wir dann eine Freundin seiner Familie besuchen gingen, führte er uns zu einem typischen marokkanischen Mittagessen in einen Riad. Die „Tajine“ wird natürlich mit (sauberen) Fingern gegessen. Ein „Riad“ bezeichnet in Marokko traditionelle marokkanischen Häuser mit Innenhof. In unserem Fall war de Riad ein kleines Hotel mit überdachtem Innenhof mit Springbrunnen.

    Der danach folgende Besuch mit sehr intensiven Gesprächen dehnte sich über fünf Stunden aus, sodass wir erst kurz vor zwölf Uhr nachts wieder Zuhause waren und schon fast eingeschlafen waren, bevor wir im Bett lagen.

    Nach dem Frühstück am dritten Tag machten wir uns auf den Weg zu der Sprachschule, bei der wir den Eindruck hatten am besten aufgehoben zu sein um uns einzuschreiben. Dieses Einschreiben ist nicht einfach das Ausfüllen von zwei Formularen und Abstimmen der Unterrichtsstunden. Da wird erst geredet um sich etwas kennen zu lernen, Wünsche mit vorhandenen Möglichkeiten abzugleichen und ein paar Minuten Plaudern mit der gerade für den Unterricht eingetroffenen Deutschlehrerin, die sich sehr freute, ein paar Sätze mit „echten Deutschen“ zu sprechen. Aber dann stand der Stundenplan und der Preis war auch bezahlt und wir machten uns auf den Weg zum Touristen Highlight der Stadt. Noch nicht die Tour durch die Altstadt! Es war die Tour am Mc Donalds (MacDo) vorbei zu einem der größten Einkaufszentren (Borj Fez) der Stadt. Da gab es alles. Angefangen bei Frozen Yoghurt, über Pizza Hut und Burger King bis zu Lacoste,Adidas Yves Rocher, Nespresso, Birkenstock u.a.

    Es war interessant da mal durch zu schlendern. Dabei habe ich wieder gemerkt, dass ich mich doch auf den Märkten und in den kleinen Geschäften viel wohler fühle…. Klaus freut sich an „seinem“ Baumarkt inklusive neuem Freund…

    Heute hatten wir Glück, denn es gab am Spätnachmittag eine kurze Lücke ohne Programm. Also zwei Stündchen Zeit für Siesta. Kurz vor acht ging es dann los um einen weiteren Freund von Han zu treffen. Um ihn zu besuchen fuhren wir in eines der wenigen fünf * Hotels für Touristen in der Stadt. Der Freund ist Reiseführer und hatte gerade eine Reisegruppe in dem Hotel. So saßen wir mit unserem Getränk bei ihm auf der Terrasse und plauderten. Also, Klaus und ich hörten mehr zu, als dass wir plauderten, denn der Reiseführer erzählte uns einiges über die Stadt, und das war sehr interessant. Zumal wir die Medina (Altstadt) direkt unter uns sahen.

    Natürlich landeten wir wieder recht spät im Land der Träume und den Gebetsruf im Morgengrauen hörten wir schon gar nicht mehr. Heute war ein spezieller Tag. Wir machten einen kurzen Abstecher zum Gemüse- / Obstmarkt und besuchten noch schnell Han‘s Mechanikerfreund bevor wir ihn dann zum Flughafen brachten. Klaus ist mit Han‘s Auto gefahren und auf dem Heimweg sollten wir noch tanken, was wir auch schön brav gemacht haben. An der Tanke standen wir erst etwas verloren herum und fragten uns, wo denn hier der Diesel ist??? Doch dann kam ein freundlicher Angestellter auf uns zu, nickte bejahend auf unser „Diesel??“ und fragte etwas. Wir nahmen an, er hat nach „für wieviel“ gefragt und antworteten mit „deux cent“ (200). Er fragte zurück: „deux cent?“ und wir nickten. Als er sich schon weggedreht hatte, wurden wir etwas unsicher und riefen wir ihn nochmals zurück und fragten: „Liter oder Dirham?“ (Dirham = marokkanische Währung) Mit einem breiten Grinsen meinte er „Liter“ und bediente die Tanksäule, während wir buchstäblich eine Gedankenblase über seinem Kopf aufsteigen sahen: „Natürlich Liter. Ihr seid doch kein LKW…“

  • Und immer noch unterwegs – April 2022

    Jetzt sind es nur noch wenige Tage bis wir fliegen. Nicht auf die Nase, sondern nach Fes 😉 Die Zeit hier in unserem Übergangsheim verging sehr abwechslungsreich. Es gab viel zu erledigen, vorzubereiten und immer wieder wurden Pläne verändert und angepasst. Aber zwischen all den Arbeitsdingen und Denkarbeit (alte Verträge kündigen, neue Verträge abschließen und entscheiden, was nötig ist und was nicht gebraucht wird usw) hatten wir auch Zeit für Familie, Besuche und manchen Ausflug zu alten Lieblingsplätzen. Zum Hegaublick, Schwenninger Moos, Rheinfall und Neckar Bad, um nur ein paar zu nennen. Gut getan haben uns auch die Stunden und die Gemeinschaft mit Familie und Geschwistern, leibliche und im Herrn.

    Unser „das behalten wir Stapel“ wurde nochmals durch gearbeitet und damit er nochmals etwas kleiner wird, haben wir noch einige Dinge mehr weiter gegeben. Jetzt hat alles noch übrige, inklusive unserer Fahrräder, Platz in unserem sieben Quadratmeter Lagerraum.
    In dieser Zeit hatten wir auch ein erstes Planungstreffen mit der Firma, mit/für die wir in Marokko eine Zweigstelle aufbauen wollen.

    Herausfordernd war, dass unsere schöne, gemütliche Übergangsferienwohnung mit den Wochen zu einer Wohngemeinschaft mit vier Leuten anwuchs. Das war vor allem für mich, Fränzi, nicht ganz einfach, wo ich mich nach der Packerei und dem Umzug mit allem Trubel und Abschied nehmen doch auf etwas Ruhe und Beständigkeit gefreut hatte. Bevor wir dann in Marokko auf „Fünfstädte-Tour“ gehen sollten, um heraus zu finden, welcher Ort für uns der richtige sei. Ach ja und Corona hatte ich über Ostern auch noch und einige Tage danach gleich noch einen Magen-Darminfekt… Da kam nicht wirklich Freude auf, erst bei dem Gedanken: „Besser jetzt krank sein, als zwei Tage vor dem Abflug.“

    Irgendwann in den „knackigen“ Wochen hörte ich eine Andacht, aus der mir nur ein Satz hängen blieb: „Du hast die Wahl, ob du entmutigt oder ermutigt sein willst.“ Das erinnerte mich daran, dass mein Wohlergehen nicht so sehr von einer Situation abhängt, sondern von meiner Reaktion darauf. Also wollte ich mehr nach Dingen Ausschau halten, die mich ermutigen oder ganz einfach wieder öfters Danke sagen, denn das hebt das Herz zu Gott empor und das ermutigt. Dabei halfen mir die Gebetsspaziergänge mit Klaus im Grünen. In Gottes schöner Frühlingsnatur gibt es so viele Ermutigungen: Bunte Blümchen, grünende Bäume, zwitschernde Vögel und eine Lehrstunde unseres Vermieters über Bienenzucht.

  • Eine weitere Etappe – März 2022

    Mitte März war es dann so weit: Alles vermeintlich Wichtige war in Kisten verpackt und wartete auf den Abtransport. Was nicht auf dem „Kommt-mit-Stapel“ durfte, war verschenkt worden, oder hatte über e-bay einen neuen Besitzer gefunden. Das machte unser Herz froh, denn so wanderten nur ganz wenige Dinge auf den Sperrmüllhaufen. Doch nachdem alles „eingetütet“ war und bevor Klaus den Laster abholte, hatten wir noch Zeit für einen letzten Abschiedsbummel am Warnemünder Strand und eine letzte Kaffeepause in unserem Lieblingskaffee.

    Dann war der Stichtag da. Und die Helfer auch. Sie waren so fleißig, dass in knapp zwei Stunden all unsere Habseligkeiten im Laster rutschfest aufgestapelt und verschnürt waren.
    Nach anfänglichen Bedenken hatte doch alles Platz gefunden.

    Blieb nur noch das Haus an den neuen Besitzer zu übergeben und nach einer etwas unruhigen Nacht am morgen früh (6.00 Uhr) den letzten Schlüssel ab zu geben, bevor wir frohen und auch wehem, aber sicher dankbarem Herzen los fuhren. Nicht nur verlief die Fahrt, sondern Gott hatte uns sogar einen dritten Fahrer und vierten Begleiter zur Seite gestellt. Stau-frei und ohne Probleme (außer den astronomisch hohen Spritpreisen) kamen wir bis Stuttgart, wo wir unsere Mitfahrer absetzten. Kurz davor begann es leicht zu regnen. Aber nicht nur Wasser kam von oben, sondern eine „gelbe, sandige Brühe“. Die Regentropfen mussten nämlich eine riesige Sahara-Sandwolke passieren, bevor sie auf unserem (und anderen Autos) landeten. Und da der leichte Nieselregen den Staub nur auf der Windschutzscheibe verschmierte, musste ich sehr viel Scheibenwischerwasser versprühen, so viel, dass ich schon befürchtete, dass es mir vor dem Ziel ausgehen würde….

    Abends kurz nach sechs Uhr erreichten wir dann aber gut und erleichtert die Lagerhalle, in der wir einen kleinen Raum gemietet haben. Hier warteten schon zwei starke Helfer auf uns um uns beim Ausladen und verstauen der Kisten und Schachteln zu helfen… Mit „Ach und Krach“ brachten wir alles rein, brachten den LKW zurück und freuten uns auf unser Bett. „Unser Bett“? Naja, das Bett, das für die nächsten Wochen unser Schlafplatz sein würde. Obwohl wir recht erschöpft waren und wussten, dass wir in der kommenden Woche einen Teil unserer Sachen nochmals aussortieren und und uns von noch mehr Dingen trennen sollten, haben wir gut geschlafen….

  • Umzug auf Raten, und anderes – Februar 2022

    Erst mal kurz ein Rückblick auf die Weihnachtszeit… Wir genossen sie sehr, die Zeit mit Freunden beim Spazieren gehen, leider ohne Schnee, dafür mit gutem Austausch, und die gemeinsame Zeit mit der Familie. Familientreffen auf Raten, weil die große Feier in der Schweiz aus altbekannten Gründen abgesagt werden musste, gab es halt mehrere Treffen mit Einzelnen, was auch sehr schön war. Als gemeinsame Beschäftigung für die große Feier, war das gemeinsame Üben eines Line-dance geplant. Nun, wir haben ihn zu viert trotzdem geübt. Wir wir Mädels hatten Spaß beim Tanzen und Klaus beim Filmen 😉
    Weihnachten konnten wir mit unseren Söhnen und ihren Freundinnen/Frauen und Klaus Bruder mit deiner Familie feiern. Das war sehr schön und die kurzen Anspiele zu „Lebensthemen“ waren witzig 🙂

    Dann war die Familienzeit nach Neujahr auch schon wieder vorbei und kam zuhause angekommen durften Klaus für zwei Wochen in Quarantäne: Irgendwo hatte er sich Covid eingefangen. Niemand weiß wo und niemand außer ihm wurde krank.
    Mitte Januar haben wir dann schon mal einen Teil unserer Möbel „entsorgt“. Wir haben sie nach Dresden gefahren, wo sie jetzt in Manuels Wohnung stehen. Es tut uns gut, dass einige unserer noch schönen Sachen weiter gebraucht werden. Auch mein 16 Jahre alter Kaktus ging mit nach Dresden. Er überlebte den Transport gut. Der Topf leider nicht, aber ich hatte einen Reserveblumentopf mit dabei 😉

    Im Februar haben wir dann zum letzten Mal unserer Geburtstage in Rostock gefeiert (zusammen sind wir 119 Jahre alt geworden) und letzte kurzentschlossene Besucher beherbergt. Bevor wir dann das Gästebettzeug und vieles andere auch in Kisten verpackt haben.

    Jetzt geht es ganz schnell…. Fertig packen…. Endgültig Abschied nehmen…. Und am 16.3. fahren wir mit unseren letzten Habseligkeiten in „Richtung neuer Lebensabschnitt“…

    …und nach der schönen Geburtstagsfeier mit Gemeinschaft mit so vielen lieben Menschen, als das Herz so übervoll von Freude und Dankbarkeit war, tropfte es doch zwei Tage später im Kinderzimmer von der Decke. Da ist doch tatsächlich die Terrasse darüber noch irgendwo undicht… so als ob da „der Wurm drin wäre“. Da wollen wir unsere Herzen behüten, damit nicht auch da ein Wurm drin herum bohrt….